Aufbau beider deutscher Staaten 1950 bis 1955
1950

08.01.1950
In Kiel wird der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) als Vertriebenen- und Flüchtlingspartei gegründet.

08.02.1950
In der DDR wird das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegründet.

03.03.1950
Zwölf Wirtschaftskonventionen zwischen Frankreich und dem Saarland werden in Paris unterzeichnet.

07.03.1950
Der Bundestag verabschiedet das Berlinhilfe-Gesetz.

16.03.1950
Der britische Oppositionsführer Winston Churchill tritt vor dem dem britischen Unterhaus für die Wiederbewaffnung Deutschlands ein.

22.03.1950
Die Bundesregierung spricht sich für freie gesamtdeutsche Wahlen unter internationaler Kontrolle zur Wiederherstellung der deutschen Einheit aus.

25.03.1950
Die Sowjetunion entlässt die DDR in die Souveränität.

31.03.1950
Die Ausgabe von Lebensmittelkarten wird eingestellt.
Der Europarat lädt die Bundesrepublik und das Saarland ein, assoziierte Mitglieder zu werden.

01.04.1950
Im Bundeskanzleramt wird eine Dienststelle für Auswärtige Angelegenheiten eingerichtet.

01.05.1950
In der Bundesrepublik entfallen die letzten Lebensmittelrationierungen.
In der DDR tritt das Gesetz der Arbeit in Kraft. Darin wird u.a. jedem Werktätigen ein zumutbarer Arbeitsplatz mit gleichem Lohn für gleiche Arbeit garantiert.

04.05.1950
Die Sowjetunion stellt fest, dass die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen abgeschlossen sei. Die Bundesregierung weist diese Erklärung als unzutreffend zurück und verlangt die Freilassung der noch in der UdSSR festgehaltenen Gefangenen.

09.05.1950
Frankreichs Außenminister Schuman legt einen Plan zur Bildung einer westeuropäischen Montanunion vor.

15.05.1950
In einem Kommuniqué nach der Londoner Außenministerkonferenz fordern die westalliierten Außenminister, dass Deutschland in fortschreitendem Maße wieder in die Gemeinschaft der freien Völker Europas eintreten solle. Sobald dieser Zustand voll erreicht sei, soll Deutschland von den gegenwärtig noch existierenden Kontrollen befreit werden. Zudem stellen die Außenminister fest, dass die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands das Endziel der Politik der Alliierten sei und treffen eine Einigung über die Grundsätze, nach denen die Wiedervereinigung erfolgen soll.

16.05.1950
Die Reparationsforderungen der UdSSR werden in einem Reparationsabkommen mit der DDR um 50% nominell herabgesetzt.

10.06.1950
Die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) wird gegründet.

25.06.1950
Der Korea-Krieg bricht aus.

26.06.1950
Beginn der Sechsmächtekonferenz (Bundesrepublikd Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg) über den Schuman-Plan (Montanunion).

06.07.1950
In Görlitz wird zwischen der DDR und Polen ein Abkommen über die Oder-Neiße-Grenze unterzeichnet (Görlitzer Vertrag). Darin wird die Oder-Neiße-Grenze als Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen anerkannt.

08.07.1950
Die Bundesrepublik tritt als assoziiertes Mitglied dem Europarat bei.

20.07. bis 24.07.1950
Auf dem III. Parteitag der SED charakterisiert sich die Partei als "Partei neuen Typus", die vom Marxismus-Leninismus geleitet wird. Damit wird eine ideologische Angliederung an die KPdSU vollzogen und die These vom "eigenen deutschen Weg zum Sozialismus" aufgegeben. Dies spiegelt sich auch in der Organisation der SED wider, denn nach dem neuen Parteistatut wird anstelle eines Parteivorstandes ein Zentralkomitee (ZK) gebildet.

25.07.1950
Walter Ulbricht wird zum Generalsekretär des ZK der SED gewählt.

04.08.1950
In West-Berlin tritt eine neue Verfassung in Kraft. Darin weist sich es sich als Land der Bundesrepublik aus und unterwirft sich den Bestimmungen des Grundgesetzes, sofern es keine alliierten Vorbehalte gibt.

05.08.1950
In seiner Charta der Heimatvertriebenen verzichtet der Bund der Vertriebenen (BdV) auf Rache und Vergeltung und fordert die Anerkennung des Rechts auf Heimat.

11.08.1950
Der Vorschlag des britischen Oppositionsführers Winston Churchill, eine europäische Armee unter Einbeziehung deutscher Kontingente zu schaffen, wird mit Mehrheit vom Europarat in Straßburg angenommen.

24.08.1950
In der SED findet eine erste Säuberungsaktion statt.

25.08. bis 26.08.1950
In Ost-Berlin findet der I. Deutsche Nationalkongress der "Nationalen Front" statt, der die Einheitslisten-Wahlen in der DDR propagiert.

29.08. bis 30.08.1950
In seinen Denkschriften an die Westmächte bietet Bundeskanzler Adenauer einen Wehrbeitrag der Bundesrepublik an und fordert gleichzeitig deren Souveränität.

12.09. bis 18.09.1950
In New York kündigt die Außenministerkonferenz der Westmächte eine neue Deutschlandpolitik an und vertritt den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik sowie einen westdeutschen Wehrbeitrag zur Verteidigung Europas.

26.09.1950
Der Atlantikpakt in New York beschließt die Schaffung einer gemeinsamen Armee. Dabei soll Deutschland in die Lage versetzt werden, "einen Beitrag zur Verteidigung Westeuropas zu leisten".

29.09.1950
Die DDR wird in den Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) aufgenommen.

08.10.1950
In Karlsruhe konstituiert sich der Bundesgerichtshof (BGH).

15.10.1950
In der DDR finden Wahlen zur Volkskammer sowie zu Land-, Kreis- und Gemeindevertretungen statt. 99,7% stimmen für die Einheitslisten der "Nationalen Front des Demokratischen Deutschland".

20.10. bis 22.10.1950
Die CDU hölt ihren ersten gesamtdeutschen Parteitag in Goslar ab. Bundeskanzler Adenauer wird Erster Vorsitzender.

26.10.1950
Bundeskanzler Adenauer ernennt den CDU-Politiker Theodor Blank zum Beauftragten der Bundesregierung für Fragen der alliierten Besatzungstruppen. Die "Dienststelle Blank" gilt als Vorläufer des Verteidigungsministeriums.

08.11.1950
In Ost-Berlin findet die Konstituierende Sitzung der neu gewählten Volkskammer statt. Otto Grotewohl wird Ministerpräsident.

30.11.1950
In einem Brief an Bundeskanzler Adenauer schlägt DDR-Ministerpräsident Grotewohl die Bildung eines "Gesamtdeutschen Konstituierenden Rates" zur Bildung einer gesamtdeutschen Regierung vor.

01.12.1950
Bundeskanzler Adenauer fordert die Ablösung des Besatzungsstatuts durch einen Sicherheitsvertrag.

13.12.1950
Die Empfehlungen an den NATO-Rat, eine atlantische Armee mit Einschluss deutscher Kontingente zu schaffen, werden vom Militärausschuss und dem Stellvertreterrat der NATO in London gebilligt.

22.12.1950
In der DDR tritt eine Verordnung in Kraft, wonach die volkseigene Industrie (VEB und VVB) nach Industriezweigen aufgegliedert und direkt den Hauptverwaltungen der Fachministerien unterstellt wird.

31.12.1950
Die Arbeitslosenquote betrug im Durchschnitt 11,0%.
Nach amtlichen Angaben kamen im Jahre 1950 197.788 Personen aus der DDR in die Bundesrepublik.

vgl. Wolfgang Benz: Deutschland seit 1945, München 1990, S. 22ff
vgl. Gebhard Diemer / Eberhard Kuhrt: Kurze Chronik der Deutschen Frage, 2. Auflage, München 1991, S. 42ff
vgl. Hans Georg Lehmann: Deutschland-Chronik 1945 bis 1995, Bonn 1995, S. 65ff

An der Fortsetzung der Chronik wird gearbeitet und steht Ihnen erst in Kürze zur Verfügung.


letzte Änderung: 17.04.2006